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06.12.2017 von hs

Innovation und neue Potenziale in der Assekuranz

Die Versicherungsbranche befindet sich in einer Phase des Wandels. Während etablierte Unternehmen an der digitalen Neuausrichtung ihrer Prozesse arbeiten, positionieren sich neue Akteure auf dem Markt. Junge Start-ups, deren Geschäftsmodelle  auf der Erschließung neuer Technologien für die Assekuranz basieren, erlebten 2017 ein Rekordjahr. So stiegen die weltweiten Investitionen in InsurTechs im zweiten Quartal des Jahres laut einer PwC-Studie auf insgesamt 985 Millionen Dollar. Diese Tendenz zeigte sich auch bei der InnoVario. So wurde die Veranstaltung um einen Strang mit interaktiven Gesprächsformaten erweitert: Diese dreigliedrige Konzeption ermöglichte eine gute inhaltliche Vielfalt, bei der für alle Teilnehmenden relevante Themen dabei waren.

Gleichzeitig zeichnet sich eine Trendwende ab. Große Versicherungskonzerne fangen an, Start-ups weniger als Konkurrenz, sondern vielmehr als Wegbereiter für die eigene Modernisierung zu begreifen. Denn das Prinzip Versicherung hat sich nicht geändert – und eine Vielzahl neuer Risiken erschließt neue Versicherungsprodukte. Dazu Prof. Dr. Fred Wagner, Schirmherr der Veranstaltung und Professor am Institut für Versicherungslehre der Universität Leipzig:

 

„Zu Beginn der Digitalisierung wurde häufig konstatiert, die traditionelle Assekuranz und der Maklerberuf würden ihre Daseinsberechtigung mittelfristig verlieren. Wir sehen aber mittlerweile, dass hier kein Verdrängungs-, sondern eher ein Ergänzungs- prozess vonstattengeht. Die großen Versicherer haben das erkannt und beginnen nun, die Potenziale der InsurTechs für ihr Geschäftsmodell nutzbar zu machen.“, erklärte Prof. Dr. Fred Wagner, Institut für Versicherungslehre, Universität Leipzig

 

Auf besonderes Interesse stieß die Keynote von Carlo Pacifico von Amazon Web Services. Pacifico sprach Handlungsempfehlungen für die Modernisierung der Assekuranz aus und betonte dabei die Rolle von Kooperationen mit externen digitalen Partnern. Auch sollten sich Versicherungsunternehmen experimentierfreudig zeigen, da sich neue Erfahrungswerte häufig als wertvoll erwiesen und die Inkaufnahme kleinerer Risiken rechtfertigten. Julian Teicke von der wefox Group wies in seiner Keynote auf zukünftige Perspektiven durch die Sammlung von Daten in Echtzeit hin. Diese könnte es in Zukunft ermöglichen, Versicherungsprodukte  besser  zu  personalisieren  und  auf  die  Bedürfnisse  der   Kunden zuzuschneiden.

 

Ein weiteres Highlight bot die Keynote von Jürgen Stoffel von der Hannover Rück SE, der über die Potenziale der Blockchain-Technologie für die Versicherungsbranche sprach. Auch die Keynotes der Referenten von iic solutions, SAP, Amazon Web  Services und ottonova sorgten für volle Sitzreihen regten anschließende Diskussionen an.

 

An Tag zwei der Veranstaltung fand erstmals das Makler-Forum statt. Drei Versicherungsunternehmen und ein Maklerpool stellten dabei ihre digitalen und innovativen Ansätze für den freien Vertrieb vor und stießen damit auf großes Interesse seitens der Teilnehmer. In diesem Kontext wurde auf der InnoVario auch ein Sonderpreis des Jungmakler-Awards für Digitalisierung vergeben. Bastian Kunkel konnte die Jury für sich gewinnen: Sein Konzept eines Youtube-Kanals, mit dem er das Thema Versicherung einfach und verständlich besonders für junge Leute aufbereitet, überzeugte das Expertenpublikum um Prof. Dr. Wagner.

 

In Kooperation mit dem Plus X Award wurden auf der InnoVario Preise für Innovation in drei Kategorien vergeben. Im Bereich-B2B konnte das Start-up Cognigy überzeugen, das sich mit der Entwicklung intelligenter Sprachsteuerungssoftware beschäftigt. Im B2C-Bereich gewann mit Getsurance ein Anbieter für digitale Berufsunfähigkeitsversicherung. Zum Versicherungs- dienstleister des Jahres wurde Precire gekürt. Das Unternehmen verspricht, anhand von geschriebener und gesprochener Sprache Rückschlüsse auf Persönlichkeit und Verhalten ziehen zu können.

 

Als Resümee der diesjährigen InnoVario bleibt festzuhalten, dass das Bild der Versicherung im digitalen Zeitalter an Konturen gewinnt. Gleichzeitig bleibt viel Entwicklungspotenzial – die Debatten auf der InnoVario liefern davon ein lebendiges Zeugnis.

 

Die Ansätze der Start-ups und innovativen Unternehmen auf der InnoVario zeigen, dass sich die Versicherungsbranche nicht eingleisig entwickelt. Verschiedene Technologien zeigen Potenziale auf und lassen sich auf unterschiedliche Bereiche anwenden – echter Pioniergeist ist gefragt. Daran sehen wir, dass wir uns in einer lebendigen Branche bewegen, die ihre eigene Zukunft in die Hand nimmt. Wir freuen uns, dass wir mit der InnoVario einen Beitrag zu dieser Entwicklung leisten können., sageTheresa Jost, CEO, V.E.R.S. Leipzig GmbH.

 

Am 28. und 29. November fand die dritte InnoVario in Bonn statt. Über 400 Fach- und Führungskräfte von Start-ups, innovativen Unternehmen und Versicherungsunternehmen diskutierten über Chancen und Risiken neuartiger Geschäftsmodelle. Die Auswahl von Ausstellern und Referenten, die persönliche Atmosphäre und die Expertise der Teilnehmenden machten die InnoVario zu einem vollen Erfolg.