Geldinstitute

14.05.2019 von red

„Im normalen Zahlungsverkehr für den Verbraucher wird die Hausbank auf längere Sicht wichtig bleiben“

Die Hausbank wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen, glaubt André Schmidt, Manager im Geschäftsbereich Banking von Sopra Steria Consulting – sie sei zentraler Vertrauenspartner: mit dem Girokonto als gewohnte zentrale und flexible Bezahlplattform sowie mit einer zuverlässigen Zahlungsabwicklung.

André Schmidt, Manager im Geschäftsbereich Banking von Sopra Steria Consulting

Zu 1: Cash wird – gerade in Deutschland – sicherlich noch eine Weile eine gewichtige Rolle spielen. Plastik ebenfalls, allerdings zunehmend in neuen „Formfaktoren“. Google Pay, Apple Pay, die Sparkassen, Fidor Pay etc. setzen bereits digitalisierte Karten ein, die die physische Karte auf dem Smartphone repräsentiert und nutzbar macht. Der Trend wird dahingehen, statt einer Plastikkarte von vorneherein nur virtuelle Karten auszugeben. Der Kunde kann diese sofort nutzen, Banken sowie Kartenunternehmen sparen Kosten für das Kartenplastik – und auch virtuelle Karten können für das Smartphone-Bezahlen digitalisiert werden.

Zu 2:
Im normalen Zahlungsverkehr für den Verbraucher wird die Hausbank auf längere Sicht wichtig bleiben: Sie ist zentraler Vertrauenspartner: mit dem Girokonto als gewohnte zentrale und flexible Bezahlplattform sowie mit einer zuverlässigen Zahlungsabwicklung.  Es gibt allerdings alternative Ansätze, beispielweise Krypto-Zahlungen. Sie können vor allem mit der weltweiten Verfügbarkeit, bei P2P-Zahlungen sowie bei M2M-Transaktionen im Internet of Things punkten. Zudem gewinnen FinTechs und sogenannte Payment Initiation Service Provider zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Dafür sorgt der leichtere Zugang zu den Kundenkonten der Banken, ermöglicht durch das durch PSD2 forcierte Open Banking. Trotzdem bleiben das Bezahlen und die Zahlungsabwicklung auch weiterhin Kernkompetenzen der Kreditwirtschaft.

Zu 5: Viele Payment-Innovationen wie Voice Payment zielen aktuell darauf ab, ein besseres Bezahl­erlebnis beim Kunden zu erzeugen oder das Bezahlen sogar in den Hintergrund des Einkaufsvorganges zu rücken. Das verändert allerdings nicht die dahinterliegende Zahlungsabwicklung, wie sie im Interbanken-Zahlungsverkehr und Kartengeschäft gängige Praxis ist. Der Begriff Plattformökonomie gewinnt massiv an Bedeutung: Zahlungsverkehr ist Massengeschäft, und intelligentes Orchestrieren verfügbarer Technologien und Dienstleister führt zur notwendigen Skalierung. Deshalb nutzen selbst die Techkonzerne Google und Apple für ihre kontaktlosen Payment-Apps etablierte Karteninfrastrukturen. Das ist – gerade bei der vorhandenen technologischen Potenz der großen Player – durchaus beachtenswert: Es zeigt, dass nicht immer nur revolutionäre Ansätze, sondern auch intelligente Kombinationen vorhandener Plattformtechnologien zum Ziel führen. Spannend ist außerdem zu beobachten, wie sich Instant Payment auf das digitale Bezahlen auswirken wird: Der große Charme ist, dass damit die bisher bei vielen Bezahlverfahren künstlich konstruierte Zahlungsgarantie nicht mehr erforderlich ist. Dadurch könnte das eine oder andere heutige digitale Bezahlverfahren überflüssig werden. Auch für Krypto-Zahlungen werden sich weitere interessante Nischen ergeben – gerade wegen ihres radikalen technologiegetriebenen und dezentralen Ansatzes und trotz aller berechtigten Kritik an einer fehlenden volkswirtschaftlichen Regulierung. Insofern wird der Zahlungsverkehr und das digitale Bezahlen weiterhin ein Feld mit allerhöchster Innovationsgeschwindigkeit sein.