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13.06.2018 von Thomas Ehrlich, Country Manager DACH von Varonis.

Fünf Jahre nach dem NSA-Leak: Was haben wir gelernt?

Vor ziemlich genau fünf Jahren wurde ein damals 30-jähriger externer Mitarbeiter schlagartig weltberühmt, obwohl sein Beruf eigentlich genau das Gegenteil erfordert hatte: Edward Snowden leakte geheime Unterlagen der US-amerikanischen National Security Agency (NSA). Welche Konsequenzen das für die IT-Sicherheit von Banken und Versicherungen hat kommentiert Thomas Ehrlich, Country Manager DACH von Varonis.

Je nach Sichtweise, politischer Einstellung, möglicherweise auch Nationalität, wird man sein Handeln anders bewerten: Für die einen ist er ein Verräter, für die anderen ein Held, der Prototyp eines Whistleblowers. Fest steht auf alle Fälle, dass sich die Wahrnehmung der staatlichen Überwachung (insbesondere in Deutschland), vor allem aber die IT-Sicherheit auf Jahre verändert hat. Wahrscheinlich haben wir mit „blended attacks“ wie WannaCry, die ohne NSA-Tools kaum denkbar wären, erst einen Vorgeschmack auf den wahren Schaden dieser Angriffe bekommen. Und sicherlich arbeiten Cyberkriminelle (und auch Hacker im staatlichen Auftrag) an neuen Varianten.

 

Die traurige Wahrheit ist, dass auch fünf Jahre später (was in der IT eine Ewigkeit darstellt) viele Organisationen und Unternehmen keine Fortschritte gemacht haben, verdächtiges Verhalten von Nutzern zu erkennen und zu stoppen. Unternehmen geben Millionen für die Entwicklung ihrer Produkte und Technologien aus und vernachlässigen dabei, ihr geistiges Eigentum adäquat zu schützen. Niemand käme auf die Idee, seinen neuen Sportwagen mit steckendem Zündschlüssel auf offener Straße stehen zu lassen. Aber genau so verhalten sich viele. Gerade im Know-how-Land Deutschland, das von seinen Erfindungen und Entwicklungen lebt, geht es hier um die wirtschaftliche Existenz zahlreicher (insbesondere) mittelständischer Unternehmen.

 

Alles was es braucht, um enormen Schaden anzurichten, ist eine motivierte Person, die nimmt, was ihr in die Finger kommt. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergab, dass durchschnittlich 21 Prozent der Ordner eines Unternehmens für jeden Mitarbeiter zugänglich sind, in 41 Prozent der Unternehmen haben sämtliche Mitarbeiter Zugriff auf mindestens 1.000 sensible Dateien und bei 58 Prozent unterliegen mehr als 100.000 Ordner keiner Zugriffsbeschränkung. Wenn keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um Alarm zu schlagen und Insider zu stoppen, gehen Leaks und Datendiebstähle weiter und die Unternehmen – und letztlich auch die Verbraucher – werden verlieren. Ein „Insider“ muss dabei übrigens nicht zwangsläufig ein Mitarbeiter (oder Partner) sein. Es kann sich dabei auch um einen Kriminellen handeln, der die Zugangsdaten eines Mitarbeiters nutzt.

 

IT-Sicherheit ist aber nicht nur ein Business-Thema, vielmehr wird es auch zum Problem für die Verbraucher und Kunden, da sie oft diejenigen sind, die den Preis zahlen müssen und sich mit den Folgen eines Datenverstoßes herumplagen müssen. Personenbezogene Daten sind ein attraktives Ziel für Angreifer. Ständig erzeugen wir Daten, vom Arztbesuch bis zum bargeldlosen Bezahlen. Neue Arten personenbezogener Daten wie Gesichtserkennung und andere biometrische Daten entstehen und verbreiten sich. Unsere (privaten und vertraulichen) Informationen werden unaufhörlich gespeichert, abgerufen, geteilt und aktualisiert. Wenn diese Daten gestohlen oder verändert werden, kann man leicht das nächste Opfer eines Betruges werden.

 

Glücklicherweise trägt die DSGVO dazu bei, die Sicherheit der Verbraucherdaten zu erhöhen, indem sie nicht nur eine gewisse Datensparsamkeit vorschreibt, sondern auch von den Unternehmen eine umfassende Datensicherheitskontrolle verlangt. Diejenigen, die es versäumen, Verbraucherdaten zu sichern, müssen mit hohen Strafen rechnen.

 

Egal ob es sich um wertvolles geistiges Eigentum oder personenbezogene Daten handelt: Unternehmen müssen es („internen“ oder „externen“) Angreifern so schwer wie möglich machen und die Daten ins Zentrum ihrer Sicherheitsstrategie stellen. Es braucht Zeit, Kompetenz und Ressourcen, um Angreifer dauerhaft abzuwehren. Hoffnung ist dabei keine Strategie, um die nächste große Cyber-Attacke zu verhindern.