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07.02.2019 von Dr. Christian Kastner, Geschäftsführer der Star Finanz

Finanzmanagement im digitalen Zeitalter

Online-Banking, mobile Shopping, Künstliche Intelligenz: Kaum eine Entwicklung verändert Wirtschaft und Gesellschaft so stark wie die Digitalisierung, nicht zuletzt was das Management und die Abwicklung von Finanzdienstleistungen betrifft. 

Mittels einer Schaltzentrale die Finanzen verwalten – das Finanzcockpit macht es möglich

Im Privatkundengeschäft wurde diese Entwicklung zu einem großen Teil schon vollzogen, doch inzwischen stellt die Digitalisierung auch das Firmenkundengeschäft deutscher Finanzinstitute vor Herausforderungen. Firmenkunden selbst sind schon längst im digitalen Banking angekommen. Die große Mehrheit der Unternehmen und Gewerbekunden nutzt Online-Banking. Dabei geht es nicht mehr nur um die ein­fache Zahlungsabwicklung wie Überweisungen, Lastschriften oder das Kredit­kartenmanagement. Auch bei komplexen Finanzierungs- und Factoring-Angeboten erwarten Firmenkunden heute komfortablere, schnellere und mobilere Lösungen von ihren Banken. Hier sind die Finanzinstitute auch nach eigener Einschätzung noch nicht hinreichend modern aufgestellt.

Privatkundensegment setzt Standards

Die Veränderungen sind nicht neu, eine ­erste Welle der Digitalisierung bei den ­Themen Bankgeschäfte, Bezahlfunktionen und Finanzmanagement hat schon vor über 30 Jahren Einzug gehalten. Ab 1999 folgte dann die schrittweise Einführung des Internet-Bankings, wie wir es heute kennen. Und die Privatkunden haben das jederzeit zugängliche digitale Angebot über die Jahre gut angenommen. 2017 erledigten schon 56 Prozent der Deutschen ihre täglichen Bankgeschäfte ganz selbstverständlich in der Online-Filiale. Damit liegen die Deutschen im Europavergleich sogar nur im Mittelfeld, deutlich hinter Dänemark (88 Prozent) oder Großbritannien (64 Prozent). Mit der Ausbreitung der Smartphones und Tablets hat sich nicht nur der Zugriff über mobile Geräte und Angebote deutlich erweitert. ­Allein bei den Sparkassen nutzen mittlerweile über sechs Millionen Privatkunden die Online-Banking-App der Sparkassen auf ihrem Smartphone. Auch die Nutzungsintensität hat seit der Einführung mobiler Banking-Apps erheblich zugenommen. Statt nur einmal pro Woche einen Kontoauszug zu ziehen, prüfen App-Nutzer heute mehrfach am Tag ihre Umsätze. Dieser Trend zum mobilen Zugriff hat sich über alle Banken hinweg durchgesetzt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang nicht nur die Selbstverständlichkeit, mit der digitales Banking mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Wichtiger ist fast, dass sich in den letzten Jahren auch die Akzeptanz und Adaptionsgeschwindigkeit von neuen digitalen Angeboten rasant erhöht hat. Dies betrifft vor allem die Angebote der FinTechs, die in der zweiten Welle der Digitalisierung mit ihren innovativen und nutzerzentrierten Produkten und Services auf den Markt drängen. Nach einer Ernst-&-Young-Studie von 2017 hatte bereits jeder dritte Privatkunde innerhalb von sechs Monaten zwei oder mehr FinTech-Angebote aus dem Bereich Payment, Finanzplanung, Sparen, Finanzierung und Versicherungen in Anspruch genommen. Besonders aufgeschlossen sind die Verbraucher für Angebote von FinTechs im Zahlungsverkehr: 50 Prozent nutzen solche Apps, 65 Prozent können sich dies für die Zukunft vorstellen.

Steigende Ansprüche bei ­Firmenkunden

Bedeutend für das Firmenkundengeschäft der Banken sind diese Zahlen vor allem deshalb, weil auch die Entscheider bei den Firmenkunden in ihrer Rolle als Privatperson diese Services längst und ganz selbstverständlich in Anspruch nehmen. Wie schnell sich die Lücke zwischen privater und geschäftlicher Nutzung von Online-Banking schließt, zeigt die 2017 erschienene Studie zum Corporate Banking von ­Roland Berger. Demnach ist den Firmenkunden schon heute der digitale Zugang zu ihrer Bank sehr wichtig. 72 Prozent der Kunden aus dem Mittelstand nutzen häufig Online-Banking, bei kleineren Firmen- und Gewerbekunden sind es sogar 80 Prozent.

Und wie die 2018 erschienene Studie „Digitale Wünsche der Firmenkunden im Banking von Morgen“ von BearingPoint zeigt, erfolgt die Verlagerung der Bankgeschäfte zum Self-Service im Online-Banking zum Teil ergänzend, aber durchaus auch anstelle des persönlichen Kontakts mit dem zuständigen Bankberater. Der digitale Zugang wird auch von Firmenkunden vor allem für die Abwicklung des täglichen Zahlungsverkehrs genutzt: Am Wichtigsten ist ihnen eine digitale Lösung für Überweisungen (90 Prozent) und Lastschriften (88 Prozent) sowie für den Zugang zu den Firmenkreditkarten (72 Prozent). Aber auch in den Bereichen Kredit, Finanzierung und Vorsorge wird der digitale Zugang für Firmenkunden immer wichtiger. 2018 gaben bereits mehr als die Hälfte der Firmenkunden an, sie wünschten sich einen digitalen Prozess für Sachversicherungen, gewerbliche Finanzierungen, betriebliche Altersvorsorge ­sowie Leasing und Factoring. 

Dazu kommt: Die Erwartungshaltung der Unternehmer und Fachverantwortlichen bei den Firmenkunden ist zwischen 2016 und 2018 mit zunehmender Nutzung von mobilen Geräten wie Tablets und Smartphones deutlich gestiegen. Sie wollen Angebote, die den Komfort, die Geschwindigkeit und den Mehrwert von digitalen Prozessen im privaten Umfeld für das Firmenkundengeschäft replizieren. Das betrifft die Kontaktaufnahme über digitale Kanäle wie die Banking-App, Video-Chat und über Chatbots.

FinTechs im Corporate Banking

Nicht überraschend ist es entsprechend, dass auch FinTechs das Firmenkunden­geschäft bereits für sich entdeckt haben. Dazu gehören nicht nur Anbieter von ­Speziallösungen wie Working Capital ­Optimization, Supply Chain Financing und Lending, sondern auch die sogenannten Neo-Challenger-Banken, die mit intelligenten Geschäftskonten für kleine Geschäfts- und Gewerbekunden zunehmend in das Kerngeschäft der Banken vordringen. Das Besondere an den Neo-Challenger-Banken: Sie integrieren regelmäßig auch Near-Banking-Leistungen wie Finanzierung und Factoring, Versicherungen oder kaufmännische Prozesse wie die Buchhaltung. Auch Lösungen im Beyond-Banking-Bereich sind echte Innovations­treiber in diesem Segment.

Firmenkunden zeigen sich zunehmend aufgeschlossen, den jungen FinTechs ­bestimmte Banking-Prozesse anzuvertrauen. 68 Prozent der von Roland Berger befragten Firmenkunden gaben an, dass sie sich vorstellen können, bestimmte Produkte zukünftig auch von Nichtbanken und FinTechs zu beziehen. Dabei ­waren besonders Betriebsmittelkredite, Zahlungsverkehr und Cash Management sowie Leasing für die befragten Firmenkunden interessant.

 

Eine digitale Lösungs­landschaft bereitstellen

Angesichts steigender Kundenanforderungen und schärferen Wettbewerbs ist es deshalb entscheidend, dass Banken und Sparkassen ihrerseits die digitalen Innovationen vorantreiben. Dabei geht es längst nicht mehr um Insellösungen, Apps oder die ­Automatisierung von Kernprozessen im Firmenkundenbanking. Gefordert ist vielmehr, Produkte, Prozesse und Daten so zu vernetzen, dass intelligente Lösungslandschaften entstehen. Das Plattform-Konzept, also die anbieterunabhängige Bündelung von Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette, wird sich auch im Banking durchsetzen. Solche Plattformen können nicht nur Kernbankleistungen besser und effizienter machen, sondern sie können auch Near- und Beyond-Banking-Leistungen integrieren.

Gerade die Sparkassen haben die Chance, sich durch intelligente und nutzerzentrierte digitale Angebote vom Wettbewerb abzuheben. Schon heute verfügen die Institute mit SFirm, StarMoney Business, dem ­Finanzcockpit und der Unterschriften­mappe nicht nur über vier intelligente ­Produkte, die den Kunden die Abwicklung bestimmter Standardprozesse ermög­lichen. Zusammen mit der geplanten Plattform­lösung speziell für Geschäfts- und Gewerbekunden handelt es sich um Bausteine, mit denen Firmenkunden unterschiedlichster Größe eine echte digitale Lösungslandschaft angeboten werden soll. Dies ist die Chance, Firmenkunden auch mittel- und langfristig an die Sparkassen zu binden und deren lokale Stärke ­wirkungsvoll zu unterstreichen.

 

Whitepaper: Ein Whitepaper der Star Finanz analysiert, was Firmenkunden heute von ihrer Sparkasse und Bank erwarten, mit welchen Wettbewerbern sich Finanzinstitute auseinandersetzen und wie sie sich durch intelligente, digitale Lösungslandschaften von diesem Wettbewerb abheben können. ­User können das Whitepaper ­bestellen unter:
www.starfinanz.de/digitalisierung-im-firmenkundengeschaeft