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05.11.2018 von hs

Ertragslage der Lebensversicherer kritischer

Bei 39 von 84 Lebensversicherern reichen die 2017 (2016: 30) erwirtschafteten Erträge aus der Kapitalanlage nicht aus, um die Garantieverpflichtungen zu erfüllen und die gesetzlich vorgeschriebene Reserve zu bedienen. Knapp die Hälfte der Unternehmen muss sich dafür aus anderen Ertragsquellen wie Verwaltungskosten und Risikogewinnen bedienen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Analyse von Policen Direkt.

Bevor sich die Lage weiter verschärft, hat die Bundesregierung nun doch schon für 2018 die Zinszusatzreserve (ZZR) neu geregelt. „Gerade auch aus unserer Kundensicht ist das wichtig“, erläutert Policen Direkt-Chefaktuar Henning Kühl. „Für viele Versicherer wäre das sonst mittelfristig existenzbedrohend geworden.“ Ohne Neuregelung stünde der zusätzliche Kundennutzen durch die weiteren Reservierungen in keinem Verhältnis zum zusätzlichen Stress für den Versicherer. Kühl: „So hätte sich die Wirkung der ZZR in ihr Gegenteil gedreht.“ 

Analyse der Ertragslage: Warnsignal für Lebensversicherer und Kunden

Ein Beleg dafür und deutliches Warnsignal ist die Analyse der Ertragslage aus den aktuellen Werten von 2017: „Es zeigt sich, dass die Versicherer zunehmend Schwierigkeiten haben, mit ihren Kapitalanlagen ausreichende Erträge für Garantien inklusive Reserve zu erwirtschaften“, sagt Kühl. „Fast jeder zweite Versicherer zieht deshalb Risikogewinne und Kostengewinne heran oder löst Reserven auf. Diese Erträge führen dann nicht mehr zu zusätzlichen Ausschüttungen oder wie bei Risikoversicherungen zur Reduzierung der Beiträge.“

Die Neuregelung gilt bereits für das Geschäftsjahr 2018. Positive Auswirkungen sind deshalb bereits in diesem Jahr zu erwarten.

Keine zusätzliche Überschüsse

Kühl: „Für den Großteil der Versicherer geht es auch mit der geringeren Belastung durch die ZZR darum, die Leistungsversprechen langfristig erfüllen zu können.“ Zum Jahresende geben Lebensversicherer traditionell ihre Überschussbeteiligung für das kommende Jahr bekannt.

Auch wenn für viele zusätzliche Überschüsse kein Thema sind, scheint die Talsohle bei der Verzinsung aber weitgehend durchschritten: „Wir erwarten in der Breite keine weiteren starken Kürzungen bei der Überschussdeklaration. Denn die würden fast nur noch das Neugeschäft betreffen. Die Garantien in den Beständen müssen nämlich ohnehin bedient werden“, erklärt Henning Kühl.

„Besonders finanzstarken Versicherern trauen wir zu, dass sie ihre Überschüsse konstant halten und auch Schlussüberschüsse zahlen.“ Die Solvenzquoten und die Solvenzberichte können hier zur Verdeutlichung herangezogen werden.