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12.03.2018 von hs

Die digitale Transformation beginnt im Backend

Die digitale Transformation ist für den Finanzsektor ganz sicher eine Jahrhundertaufgabe. Dabei ist manchen Entscheidern noch nicht präsent, dass die Digitalisierung in erster Linie im Backend beginnen muss. 

Und genau hier liegt der Kern des Problems. Während das Frontend mit modernsten Anwendungen glänzt, wird das Backend zumeist vernachlässigt und ist überfordert. Banken und Zahlungsdienstleister müssen ihr Unternehmen fit für die Zukunft machen, sehen sich jedoch mit der begrenzten Leistungsfähigkeit ihrer IT-Systeme sowie Kostendruck konfrontiert.

 

Hinzu kommt der Umsetzungsdruck verbindlicher regulatorischer Anforderungen. Gleichzeitig soll Flexibilität, Skalierbarkeit und ein schnelleres Time-to-Market neuer Finanzprodukte gewährleistet werden. Aufgrund stark steigender Transaktionen über neue digitale Kanäle, die bislang dennoch wenig zusätzliches Geschäft bringen, verschärfen sich die Probleme stetig. Wie können Banken mehr Kapital aus vorhandenen Funktionalitäten schlagen? Die Antwort ist simpel und komplex zugleich: Der Schlüssel liegt in der Modernisierung der Kernapplikationen im Backend.

 

„Das Kernbanksystem gilt als Rückgrat der Banken-IT. Bei vielen Finanzhäusern ist es jedoch so veraltet, dass es die Geschäftsabläufe in bedrohlicher Weise behindert“, erklärt Karl-Heinz Kern, Deutschland-Chef der GFT. Häufig wurde das Banking-Backend vor dem Beginn der Internet-Ära implementiert und zeichnet sich durch eine ebenso komplexe wie intransparente Architektur aus, die kaum Synergieeffekte zulässt. Die Umstellung auf ein komplett neues Kernbanksystem ist oft leider keine ratsame Lösung: zu hohe Kosten, zu lange Umstellungsdauer, zu großes Risikopotenzial.

 

„Mit der Modernisierung der Kernapplikationen im Backend können die ans Frontend anknüpfenden Anwendungen schrittweise sowie zielgerichtet optimiert werden – und zwar nachhaltig. Dieser Ansatz erschließt den Zugang zu digitalen End-to-End-Prozessen mit Customer Journey und ohne wesentliche Brüche. Weiterhin können neue Produkte und Services, die auf innovativen Technologien wie künstlicher Intelligenz oder Blockchain basieren, sinnvoll integriert werden“, führt Kern aus. Ein Beispiel aus der Praxis: Identifikationsmanagement schafft Komplexität und Redundanz Der Blick in die Praxis zeigt zahlreiche Ansatzpunkte, so zum Beispiel das Identifikationsmanagement.

 

Die Kernapplikationen innerhalb einer Bank verwenden oft unterschiedliche Identifier, um auf dieselben Kundendaten im System zuzugreifen. Die Folgen sind ein hohes Maß an Komplexität und Redundanz. Um dies zu umgehen, wird ein zentraler Primärschlüssel für jeden Kunden benötigt, der sich konsequent durch alle Systeme zieht, so dass der Kunde stets dieselbe Identifikationsnummer (ID) besitzt. „Die Branche neigt jedoch zu Übergangs- oder Umgehungslösungen, um so schnell wie möglich immer weitere Funktionalitäten oder Apps anzubinden. Das vergrößert jedoch den Flickenteppich im Backend und verschärft das Problem enorm. Ohne Modernisierung werden die IT-Systeme schon bald überlastet sein“, so Kern weiter. Er vergleicht die großen Finanzhäuser daher mit Technologiemuseen und hebt hervor: „Unser Ziel ist es, ihre Systeme zukunftsfähig aufzustellen – immer mit Blick auf die Minimierung von Kosten und Risiken.“ Investitionen ins Backend sind erfolgskritisch und zahlen sich langfristig aus Innovative Apps im Frontend sollen vor allem eines: Den Kunden begeistern. Sie bringen jedoch wenig, wenn nicht gleichzeitig das Backend auf die Höhe der Zeit gebracht wird. „Nur wer in beiden Bereichen nachhaltig investiert, wird letztlich als Gewinner aus der digitalen Transformation hervorgehen. Andernfalls werden sich die komplexen IT-Probleme in den Finanzhäusern weiter verschärfen“, fasst Kern zusammen. Banken verfügen bereits heute über hervorragende Apps – das Konzept des Core Application Renewal von GFT zielt darauf ab, diese sowie das Backend für das nächste Jahrzehnt erfolgreich zu machen.