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26.02.2019 von Dr. Stefan Grotehans, Director Sales Engineering DACH bei MarkLogic

Blockchain und Smart Contracts erfordern hohe Datenqualität

Die Digitalisierung stellt die Finanzwirtschaft vor enorme Herausforderungen in puncto IT-Sicherheit, Datenschutz und Datenmanagement. Auf der Basis von Distributed Ledger-Technologien werden neue Technologien wie die Blockchain entwickelt. Sie werden sich als sehr profitabel erweisen – vorausgesetzt, es erfolgt von Beginn an die richtige Weichenstellung.

Die Anwendungsmöglichkeiten von Blockchain für Finanzdienstleistungen sind vielfältig (Bildquelle: MarkLogic)

Auch wenn Blockchain in der Vergangenheit teilweise übermäßig bejubelt wurde - die Vorteile liegen auf der Hand und werden dafür sorgen, dass sich diese Technologien langfristig durchsetzen. Die Finanzbranche ist sicher einer der treibenden Sektoren für diese Entwicklung. 

 

Im Bereich der Finanzdienstleistungen werden Blockchain-Technologien zu Kostensenkungen führen, indem sie den Bedarf für den Datenabgleich reduzieren, die Prüfbarkeit verbessern sowie den Umfang von Duplikaten und ungenauen Dokumentationen verringern. Laut PwC Research erwarten knapp 80 Prozent der etablierten Finanzdienstleister, dass sie bis 2020 Blockchain als Teil eines Produktionssystems oder -prozesses einsetzen werden. Die Anwendungsmöglichkeiten von Blockchain für Finanzdienstleistungen sind vielfältig: von Handelsabwicklung über den Aktienhandel und der Vereinfachung von grenzüberschreitenden Zahlungen bis hin zu Smart Contracts — das sind Computerprotokolle, die Verträge abbilden, überprüfen oder die Abwicklung technisch unterstützen. Um den größtmöglichen Nutzen aus Blockchain-Technologien zu gewinnen, müssen Unternehmen zunächst sicherstellen, dass ihre Daten korrekt sind. So, wie der Nutzen der Künstlichen Intelligenz (KI) durch korrekte Daten bedingt ist, so hängt auch eine adäquate Blockchain-Implementierung gleichermaßen, wenn nicht sogar noch mehr als die KI, von einer hochwertigen Datenqualität ab.

 

Garbage In = Garbage Out

Wenn es um Daten und Blockchain geht, spielt es für einige der zukunftsweisenden Implementierungen von Blockchain-Technologien eine entscheidende Rolle, womit das System gefüttert wird. Smart Contracts sind hierfür ein gutes Beispiel. Grob definiert sind Smart Contracts in einer Blockchain gespeicherte Teile eines Codes, die automatisch bestimmte Aktionen ausführen, wenn vordefinierte Bedingungen erfüllt sind. Will man jedoch darauf vertrauen, dass ein intelligenter Algorithmus, in dem Fall also die Blockchain, den Vertrag korrekt abwickelt, müssen die in die Blockchain eingehenden Daten vertrauenswürdig sein. Hier ist eine gute Data Governance entscheidend. Je komplexer die Daten sind, die in die Blockchain eingehen — wie z.B. allgemeine Geschäftsbedingungen eines Derivatehandels — umso wichtiger wird die Governance solcher Daten. 

 

Blockchains können schließlich erst dann Verantwortung für die Genauigkeit und Qualität von Daten übernehmen, nachdem diese in die Blockchain eingegeben wurden. „Man muss auf die Qualität der Daten vertrauen können, die aus den bestehenden Quellsystemen der Unternehmen gewonnen werden“, schreibt Deloitte in einem Bericht zu Blockchain und Cyber-Risiken. In diesem Bericht wird auch Prakash Santhana, geschäftsführender Direktor bei Deloitte, zitiert: „Die größte Schwachstelle in der Blockchain-Architektur liegt außerhalb der Architektur in den “vertrauenswürdigen“ Oraceln. Oracel sind im Kontext der Blockchain Vermittler, die vertrauenswürdige Datenquellen in diese einfügen dürfen. Ein korrumpiertes Oracel kann einen Dominoeffekt im gesamten Netzwerk verursachen.“ 

 

Wenn Smart Contracts vertrauenswürdig sind, dann liegt dies unter anderem auch daran, dass die Datenmanagementprozesse um sie herum (d. h. außerhalb der Blockchain) ebenfalls vertrauenswürdig sind. Dass die Qualität solcher Daten angemessen ist, wird durch neuartige Ansätze der Data Governance sichergestellt. Dies ermöglicht Finanzdienstleistungsunternehmen, zahlreiche Prozesse zu automatisieren, einschließlich papierintensiver Prozesse, weniger Zeitaufwand für Abwicklung und Clearing von Transaktionen sowie Verbesserungen bei der Genauigkeit und den Audit-Trails. Eine gute Data Governance wird auch sicherstellen, dass bestimmte Daten weiterhin vertraulich behandelt werden, wenn diese in eine öffentliche Blockchain gelangen. In solchen Fällen bestimmen Data Governance-Prozesse, was in die Blockchain eingehen kann und was nicht.

 

Umdenken in Sachen Data Governance 

Um Daten in die richtige Form zu bringen, müssen alle Unternehmen, vor allem Finanzdienstleister, ihren Ansatz der Data Governance überdenken. Schließlich ist das Konzept der Data Governance an sich nicht neu. Um jedoch den Geschwindigkeits- und Qualitätsanforderungen neuer Technologien wie Blockchain gerecht zu werden, ist es sinnvoll, einige Aspekt zu prüfen:

 

  • Data Governance auf Datenebene. Um die Möglichkeiten auszuschöpfen, die eine automatisierte Datenverwaltung wie Blockchain bietet, sollten die Metadaten, also jene Daten, die den eigentlichen Daten übergeordnet sind, gemeinsam mit den eigentlichen Daten gespeichert werden. Dadurch haben Unternehmen und Regulierungsbehörden einen transparenten Einblick, woher die Daten stammen und wann, wie und ob sie verändert wurden. In der Vergangenheit wurden solche Metadaten oft nicht gemeinsam mit den Daten selbst gespeichert, wenn sie denn überhaupt gespeichert wurden. Das liegt daran, dass das Management des Datenlebenszyklus in einem komplexen Unternehmen mit unterschiedlichen Datenmodellen und Prozessabläufen eine hohe Flexibilität des Datenmanagements erforderte, die mit herkömmlichen Datenbanktechnologien nicht möglich war. Neuere Datenbanktechnologien machen es hingegen deutlich einfacher, mit einer solchen Variabilität umzugehen und darüber hinaus dafür zu sorgen, dass kritische Governance-Metadaten bei den Daten bleiben.
  • Daten aus Silos. In den meisten Unternehmen werden Kundendaten, Handelsdaten sowie andere Datenbestände in separaten Silos gespeichert, die oft gleichzeitig verschiedene Geschäftszweige oder Jahre andauernde Fusionen und Übernahmen widerspiegeln. Die herkömmliche Dokumentenverwaltung war eine Herausforderung, ebenso wie die ursprünglichen Ansätze der Datenintegration — vor allem bedingt durch die Einschränkungen der herkömmlichen Datenbanktechnologie. Auch hier schafft die neue Datenbanktechnologie den entscheidenden Unterschied: Die Daten werden in einem zentralen Operational Data Hub harmonisiert und integriert, wobei die Dokumentenverwaltung auf Datenebene fortgeführt wird. Dadurch sind Unternehmen endlich in der Lage, eine 360 Grad-Sicht auf ihre Datenbestände zu erhalten – auch auf jene, die in verschiedenen Ländern innerhalb eines Unternehmens verteilt sind. Außerdem werden sie Regulierungsbehörden schneller eine ganzheitliche Sicht auf die Daten in sämtlichen Unternehmensbereichen ermöglichen.
  • Durchgängige Data Governance-Richtlinien. Unternehmen benötigen effektive Data Governance-Richtlinien, was z.B. die Zugriffskontrollen, Metadaten, Datenqualität und -sicherheit betreffen und zwar innerhalb als auch außerhalb der Blockchain. Da sich manche Daten auf öffentlichen Blockchains befinden, andere jedoch nicht, stellen Data Governance-Richtlinien sicher, dass alle Daten einheitlich verarbeitet werden. Entscheidend ist dies vor allem für den Fall, dass Regulierungsbehörden eine ganzheitliche Sicht auf Transaktionen fordern. 

 

 

Regulierung als Chance begreifen 

Es ist nichts Neues, dass Finanzinstitute der behördlichen Aufsicht unterliegen. Die EU-Kartellstrafe von 4,34 Milliarden Euro gegen Google im vergangenen Jahr könnte eine neue Stufe der Regulierungsintensität von Technologie- und anderen wirtschaftsstarken Unternehmen nach sich ziehen. Darüber hinaus signalisieren neuere Regelungen für Banken — vor allem Regulierungen, die sehr Daten-spezifisch sind, dass in der EU Data Governance, erhöhte Transparenz, Verbraucherdatenschutz sowie der Schutz von Anlegern und Verbrauchern sehr ernst genommen wird. Die MiFiD II-Richtlinie, die die Wertpapiermärkte regelt und die Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO) für Verbraucherdaten zwingen auch globale Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in die EU zu enormen Veränderungen. Das betrifft auch zahlreiche Finanzdienstleistungsunternehmen.

 

Fazit 

Blockchain-Lösungen sollten verstärkt von der deutschen Finanzwirtschaft eingesetzt werden, um etwa Prozesse der Wertpapierabwicklung, der Zahlungsinfrastruktur oder im Bereich des »Know-Your-Customer« weiterzuentwickeln – so auch die Empfehlung des Verbands Bitkom in seinem Positionspapier zur Blockchain-Technologie.

Damit alle Unternehmen die gesetzlichen Anforderungen zukünftig leichter erfüllen können, müssen sie die Grundlagen ihrer Data Governance überdenken. Einige der veralteten Methoden rund um Data Governance können aufgrund der heutigen Herausforderungen nicht mehr angewendet werden. Jene Finanzdienstleister aber, die einen zukunftsweisenden Ansatz wählen und Data Governance-Richtlinien implementieren, indem sie vom ersten Tag an die Datenintegration in einen Data Hub verwirklichen, werden nicht nur für zukünftige Regulierungen gerüstet sein und sich den Marktchancen anpassen können. Sie werden sich auch besser positionieren können, um von den Vorteilen neuer Technologien wie Blockchain zu profitieren.